SCHADE UM DIE SCHÖNE MÖSE

Das Internet ist eine Fundgrube, und man braucht darin nicht sehr tief zu graben, um etwas zu entdecken, das man vorher nicht für möglich gehalten hätte. Zum Beispiel Texte von Autorendarstellern, die sogar die Bestsellerlisten erklommen haben, ohne jedoch ihr Handwerk und seine goldenen Regeln zu beherrschen. Einer dieser Regeln lautet: Wenn du ein politisches oder weltanschauliches Anliegen hast, schreibe es frank und frei hinaus, sag „So sehe ich das“. Und wenn du schon deinen Sermon unbedingt in eine Geschichte, bei der der Leser nicht unterscheiden kann, ob sie real oder fiktiv ist, verpacken möchtest, dann beherzige ein paar literarische Manieren. Auf keinen Fall darfst du dabei mit der Tür und dem Vorschlagshammer ins Haus fallen, so daß der Leser sofort merkt, daß du ihm auf die literarische Tour nur die eigene Meinung geigen und ihn erziehen willst. Doch die größte Todsünde bei derlei als Anekdoten verkleideten Polit-Outings ist, daß du durch maßlose Übertreibungen, gespieltes Erstaunen und unlogischen Schwachsinn genau das Gegenteil bewirkst und deinen Story-Helden selber zu einem Unsympathen machst.

Es gibt ein Online-Magazin mit dem Namen „Im Gegenteil“, in dem sich alles rund um Singles dreht. Man kann darüber auch Männer oder Frauen daten. Als Zeichen der Seriosität und der eigenen Hipsterhaftigkeit schreiben dort Ganz-, Halb- oder Viertel-Prominente mit linker Gesinnung zwischendurch etwas über das Single-Wesen. Am 4. April tut es ein Michael Nast, der bereits einige erfolgreiche Bücher über die versinglete Gesellschaft und irgendwas mit „Generation so und so“ verfaßt hat. Das Thema seines Artikels ist nicht gerade neu: „Mit Afd-Wähler*innen schlafen – darf man das?“

Es sind bereits einige solcher saukomischen und angeblich authentischen Wrong-Fuck-Histörchen in Frauenmagazinen erschienen, die als Hort des Political Correctness gelten. In diesen sind volldebile Frauenzimmer dem Selbstmord nahe, weil der Stecher sich jäh als AfD-Sympathisant entpuppt oder Zustimmung für die Ansichten der „Rechten“ signalisiert. Der mag ja vielleicht einen Elephantenschwanz besitzen und einem stets galant die Tür aufhalten, aber AfD-versifft geht nun mal gar nicht. Der rechts gesinnte Mann, auch wenn er wie Chris Hemsworth aussieht und wie Tim Mälzer kocht, stellt für die Irgendwas-mit-Medien-Frau mit prekärem Gehalt so etwas zwischen einem Vergewaltigungs-Nafri und einem Du-dumme-Sau!-Kinski für höhere Töchter dar. Aber egal, Weiber halt.

Ein Mann kann natürlich dieses Sujet nicht einfach mit einem weibischen Grundgütiger!-Schrei beackern. Nein, er muß noch einen draufsetzen, vielleicht auch zwei – bis zur totalen Unglaubwürdigkeit. Und so beginnt unser Dichter mit einer philosophischen Einlage:

„Es gibt immer mal wieder Momente, in denen ich begreife, dass ich in einer Blase lebe. Einer behüteten Blase, aus der ich das Leben mit einer gewissen Naivität betrachte, die voraussetzt, dass die meisten Menschen denen ähneln, mit denen ich mich umgebe … Mein Bekannter Andreas hat diese tragische Erfahrung selbst machen müssen“

Das ist natürlich gelogen. Völlig inkonsequent stellt sich am Ende des Artikels heraus, daß er eben nicht in einer Blase lebt, sondern „die andere Seite“ bis ins letzte Detail sehr gut kennt bzw. zu kennen glaubt. Es geht um ein mißlungenes Date, und da muß ich dir empfehlen, Michael, daß dabei das Adjektiv „tragisch“ total daneben ist. Tragisch ist, wenn dein Kind bei einem Autounfall stirbt, aber ein Scheiß-Date ist höchstens ärgerlich.

Im letzten Satz greift er zu einem dramaturgischen Trick, der oft in Komödien Anwendung findet. Etwa so: Ein Mann lernt auf einer Party einen Arzt für Männer-Wehwehchen kennen. Er erzählt ihm, daß er einen Freund habe, der impotent sei, und will von dem Arzt wissen, was man dagegen unternehmen könne. Allerdings gibt er von dieser Impotenz so viele und genaue Einzelheiten preis, daß jeder im Publikum weiß, in Wahrheit redet er über sich selbst. Ebenso ist der „Bekannte“ Andreas im Nastschen Artikel eine rhetorische Figur, um den Abscheu des Autors gegenüber irgendwelchen Rechten zum Ausdruck zu bringen.

Dieser Andreas ist übrigens im Nebenberuf ganz offensichtlich Gesellschaftskritiker und Feuilletonist. Deswegen ärgert er sich zunächst einmal lang und breit über die Unart der gedateten Dame, die auch noch – fasten your seatbelts – ein Model ist, während des Kennenlernens alle naselang und wie bekloppt mit Facebook- und WhatsApp-Gruppen zu kommunizieren. Ein heißes Model, das, vereinsamt wie sie ist, sich einem geschmäcklerischen Andreas hingeben will, um jedoch gleich am Anfang des Gesprächs wie ein Irrer social-networkt, in der Tat, das klingt so real und authentisch wie die Figur Bugs Bunny. Ist es da ein Wunder, wenn Andi in sein Kissen heult:

„Es war ein Abend Anfang Januar und die Frau, die Andreas gegenübersaß, war wunderschön. Aber ihre Schönheit half nicht.“

Die Katastrophe folgt auf dem Fuße:

„Dann erzählte Louise, dass ihr Vater Abgeordneter der AfD war.
`Wie bitte?´, dachte er und sah sie direkt an.
`Du musst dir unbedingt mal das Programm durchlesen´, sagte sie. `Da stehen echt vernünftige Sachen drin.´
Er sah sie wortlos an. Er wusste gar nicht, wie er darauf reagieren sollte, die Information überforderte ihn. Er nahm an, es wäre Ironie, eine Art schimmliger Humor, wenn man so wollte. Aber es war ihre Realität …
Er hatte ja schon Probleme mit Frauen, die ihm erzählten, dass sie CDU wählten, aber das hier war schlimmer. Er hatte sich noch nie mit einer AfD-Sympathisantin getroffen. Menschen wie sie kannte er nur aus dem Fernsehen, sie kamen in seinem Leben nicht vor.“

Ja, schöne Scheiße! Der arme Andreas kann nicht mal eine CDUöse knallen, und da soll er jetzt ein AfD-Model lecken?! „Menschen wie sie kannte er nur aus dem Fernsehen“ – sowie Freddy Krueger und Hannibal Lecter. Obwohl so unwirklich, scheint er gleichzeitig über reichliches Detailwissen über diese Aliens zu verfügen:

„Sie sprach von `hemmungslosester Geschichtsverfälschung´ und von der `Lügenpresse´, ein Begriff, den schon die Nazis verwendet hatten, und der von der NPD bereits in den Neunzigern aufgegriffen wurde. Zwei Tatsachen, die viele vergessen zu haben schienen.“

Wieder ein schlimmer handwerklicher Fehler. Wer sagt das jetzt mit den Nazis und der NPD? Sagt das Andi zu Michael oder sagt es Michael zu uns, daß Andi das zu uns gesagt hätte, oder sagt es einfach Michael? Eben meinte er nämlich noch, daß ihm diese rechte Welt so fremd sei wie Alaska. Nun plötzlich aber ist er sogar Politologie-Professor und weiß sehr knifflige Parallelen zu ziehen. Doch es hilft alles nix:

„Louise reden zu hören war, als würde man mit dem Finger durch eine mit Staub bedeckte Fettschicht gleiten, die sich in einer unsauberen Küche gebildet hatte, dachte er. In ihrer Gegenwart würde er nie eine Erektion bekommen.“

Ach komm schon, Andi, stell dich nicht so an und schieb ihr die Gurke einfach rein! Du weißt doch: Loch ist Loch. Ein Hate-Fuck wird doch zumindest noch drin sein. Also wirklich! Ich persönlich würde sogar einen ausgewachsenen Gorilla ficken, wenn man mir sagte, daß das ein Model sei, ehrlich wahr. Bin halt einfach gestrickt. Allerdings schimmert auch bei Andreas mit einem Male der Macho-Strahl durch:

„Die Menschen wurden immer dümmer, dachte er, während Louise immer weiter redete. Er sah sie mit dem Gefühl an, ihr Aussehen, ihr Name und ihre Ansichten wären falsch zusammengesetzt worden. Er sollte sich nicht mehr mit Models treffen, dachte er hilflos. Sie hatten oft Anschauungen, die ihre Attraktivität aufhoben, und waren meistens scheiße im Bett. Es hatte genau zwei Frauen gegeben, die ihm beim Sex eindringlich ins Ohr geflüstert hatten, dass er nun endlich kommen sollte. Eine Aufforderung, an der seine Erregung zerbrach. Beide waren Models gewesen.“

Wie wir jetzt sehen, ist Andreas in Sachen Model-Fickerei ein alter Hase. Er hat schon Claudia Schiffer und Kate Moss gebürstet, da hatte man sie noch nicht in der Disco entdeckt. Darunter tut er es nämlich nicht. Das Blöde ist, er fällt immer wieder auf diese Edel-Muschis rein, obwohl sie „meistens scheiße im Bett“ sind. Der nächste Artikel von Michael Nast wird davon handeln, wie Andreas Gott gedatet hat, obwohl der auch scheiße im Bett ist. Es ist wirklich zum Kringeln, wie der Autor uns verquast zu Verstehen gibt, daß er ein unwiderstehlicher Tarzan des Mösendschungels ist, und gleichzeitig versucht, den aufrechten Gegen-Rechts-Heini zu markieren. Dabei merkt er gar nicht, wie seine sexistische Seite zum Vorschein kommt und wie gockelhaft und lächerlich das Alles wirkt. Geradeso, als erzähle ein Opa den ein und denselben Herrenwitz zum 12. Mal.

Dann hält es Andi nicht mehr aus und beharrt bei der Kellnerin am Date-Finale ganz gentlemanlike auf getrennte Rechnungen. Was aber scheitert, weil das „Model“ kein Geld hat. Vermutlich hat sie alles für die Gnadenficks von solchen Hengsten wie Andi und Michael auf den Kopf gehauen.

Am Ende sitzen die beiden Freunde zusammen, wichsen sich fürs Wochenende mit den tausend Models warm und geben Erbauliches von sich:

„`Ich find das alles so unangenehm, und seitdem die AfD im Bundestag sitzt, sitzen die auch ständig in irgendwelchen Talk-Shows. Die sind gerade dabei, salonfähig zu werden. Und das ist die größte Gefahr. Man darf sich gar nicht mit solchen Leuten auseinandersetzen. Man muss sie ignorieren, oder bekämpfen. Wenn man versucht sie zu verstehen, öffnet man schon eine Tür, die sich schwer wieder verschließen lässt.´
`So sind die Nazis damals ja auch an die Macht gekommen´, sagte ich. `Das hat doch Goebbels mal irgendwann gesagt. Der Fehler der Demokraten war es doch, dass sie versucht haben, mit ihnen umzugehen. Hätten sie sie bekämpft, wäre es nie so weit gekommen.´
`Das hat Goebbels gesagt?´, lachte Andreas. `Na, der musste es ja wissen.´ Er schüttelte sich. `Da spür ich gleich wieder den Ekel, den ich bei dem Date hatte. Obwohl, ganz ehrlich: Einen kurzen Moment lang hab ich dann doch noch überlegt, ob es mich erregen würde, eine Faschistenschlampe zu ficken, die Faszination des Bösen zu spüren, oder des Dummen. Beides könnte sogar reizvoll sein.´
Er machte eine Kunstpause, bevor er bitter hinzufügte: `Ich hätte nur ein Kondom benutzen müssen.´“

Nicht allein das, du hättest dieser AfD-Model-Fotze auch eine extradicke Aubergine reinschieben, auf sie pissen und kacken und ihr anschließend den Schädel zertrümmern sollen, Andi. Das haben nämlich Stalin, Mao und Pol Pot auch immer getan, wenn sie ihren „faszinierend bösen Spaß“ haben wollten. Der Goebbels sowieso.


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