Liebe Lou Zucker,

bestimme Kreise haben mich aufgefordert, ja, geradezu bedrängt, eine Erwiderung auf deinen Artikel „Heterosex ist nicht natürlich“ vom 23. 3. in der taz zu verfassen. Ich nehme an, diese Anstifter kommen aus der rechten, feminismus- und genderfeindlichen, stockkonservativen, AfD-nahen, mit einen Wort ewiggestrigen und unbelehrbaren Ecke.

Im Glauben, daß ich ein Macho sei (was gar nicht stimmt) und in der Hoffnung, daß ich dich wegen deiner epochalen Erkenntnisse so richtig verarschen, gedanklich ungespitzt in den Boden rammen und dich der Lächerlichkeit preisgeben würde, weil ja der Heterosex für diese Klientel etwas Selbstverständliches darstellt, sollte ich ihnen durch einen gepfefferten Kommentar einen Lesespaß bereiten.

Doch nichts liegt mir ferner, liebe Lou. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Jetzt, da ich alt und auch ein bißchen weise geworden bin, würde ich den Heterosex am liebsten ebenfalls verbieten. Allerdings aus anderen Gründen, als du sie anführst. Doch dazu komme ich noch.

Zunächst einmal hier ein paar Zitate aus deinem Artikel (Rechtschreibfehler aus dem Original übernommen):

„Sperma und Scheidenflora haben völlig unterschiedliche PH-Werte. Die Vagina hat ein saures Milieu, um Krankheitserreger abzuwehren. Durch das basische Sperma steigt der PH-Wert zumindest kurzzeitig an – die Scheidenflora wird also weniger sauer – und Krankheitserreger können sich leichter ausbreiten. Viele Menschen mit Vagina bekommen deshalb von ungeschützem Geschlechtsverkehr mit Penissen eine Pilzinfektion.“

Ich wüßte jetzt nicht, was an diesem medizinischen Fakt so provokant sein soll. So etwas könnte auch als Warnung für Menschen mit Vagina, aber sonst ohne alles, in der „Apotheken Umschau“ stehen, wobei jedoch diese Publikation kaum von Menschen ohne Penis in der Brunftphase ihres Lebens gelesen werden dürfte. Und mit der Gefahr mit „ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit Penissen“ hast du auch verdammt recht, Lou. Meine damalige Freundin hat vor 25 Jahren zwar keine Pilzinfektion davon bekommen, aber sowas Ähnliches, was mich bis jetzt ein Vermögen gekostet hat und das ich jetzt einfach nicht aus dem Haus kriege. Hol´s der Teufel!

Weiter führst du aus:

„Noch ein Klassiker: Blasenentzündung. Bei Menschen ohne Penis ist der Weg zwischen Blase und Harnausgang nicht weit. Und auch Anus, Vagina und Harnausgang liegen unpraktisch nah bei einander. Durch die mechanische Rein-raus-Bewegung, die für die meisten Heteros zum Sex dazugehört, werden Darmbakterien in die Harnröhre transportiert (…) Heterofrauen müssen sich quasi entscheiden, ob sie Sex oder ein Leben haben wollen.“

Da sagst du wieder was Wahres, Lou! Sex oder Leben – keine leichte Entscheidung für Menschen ohne Penis. Und das nur, weil Menschen ohne Vagina, aber mit Klöten, auf diese längst überholte „mechanische Rein-raus-Bewegung“ beharren. Absurd! Zudem hast du sehr scharfsinnig beobachtet, daß bei Menschen ohne Penis Anus, Vagina und Harnausgang, praktisch die ganze Scheiße, „unpraktisch“ nah beieinander liegen. Diese Praktikabilitätsferne ist mir bei meinen Forschungen auch oft aufgefallen. Zu Recht sagst du in deinem Schlußwort zu alldem deshalb „Ich frage mich oft, was sich die Natur dabei gedacht hat“. Vermutlich wieder mal gar nix, die dumme Fotze.

„Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien oder Gonorrhoe können zwar durch alle möglichen Sex-Praktiken übertragen werden, aber Penis-Vagina-Penetration bringt ein höheres Risiko mit sich als beispielsweise Lecken oder Fingern.“

Erneut ein Volltreffer, Lou! Das Blöde ist nur, „Lecken und Fingern“ schön und gut, aber alle Menschen ohne Penis, die ich in diesem Zusammenhang traf, wollten immer ordentlich durchgerödelt werden. Da könnte ich dir Geschichten erzählen, du würdest mit den Ohren schlackern. Viele wollten sogar die Ejakulation bei mir unbedingt erzwingen, obwohl ich nach dem achten Mal echt nicht mehr konnte, und ließen sich dafür allerlei im wahrsten Sinne des Wortes schmutzige Tricks einfallen. Ich sag ja, bei Menschen ohne Penis kannst du dich gleich freiwillig in Guantanamo einliefern lassen.

Dann jedoch schlägst du einen zutiefst traurigen Ton an, Lou:

„295.000 Frauen starben im Jahr 2017 weltweit im Zuge von Schwangerschaft oder Geburt.“

Furchtbar! Da muß schleunigst der Gesetzgeber einschreiten, besser die UNO, am Ende sogar die NATO. Also nicht bei uns, denn weiß gelesene Menschen ohne Penis werden hierzulande sowieso kaum mehr schwanger – dafür jedoch umso mehr ohne Vagina, wie man hört. Aber in Afrika und im Islamgürtel könnten doch Blauhelme den Durchgangsverkehr regeln und bei Zuwiderhandlung, also bei jedem geglückten Cis-Schuß, das Gegenfeuer eröffnen.

Am Schluß empfiehlst du, Lou, „eine Sex-Abgabe für Heteromänner“. Ich finde, das ist von dir diesmal nicht zu Ende gedacht, Lou, denn das gibt es ja schon – nennt sich entweder Ehe oder Puff.

Aber wie ich anfangs schon sagte, Lou, auch ich bin inzwischen wie du dem Heterosex gegenüber sehr ablehnend eingestellt. Die Ursache dafür liegt in meiner Biographie, insbesondere an meinem Alter.

Als in der Pubertät die Lust in mir erwachte, sah ich mich mit vielerlei Widerständen konfrontiert. Du mußt wissen, daß ich nach Erreichens der Körpergröße von 172 cm nicht mehr weitergewachsen bin (siehe der Name dieses Blogs). Hinzu besitze ich eine Statur, auf die diverse Beschreibungen zutreffen, aber bestimmt nicht sportlich. Das war schon in meiner Jugend so. Zudem ist mein Gesicht von derartiger Beschaffenheit und Form, daß man es als „The Opposite of Clint Eastwood“ bezeichnen könnte. Und um das Maß vollzumachen, besitze ich den sexuellen Charme, überhaupt den Charme einer Giftnatter.

Dennoch war ich stets so scharf wie Nachbars Lumpi. Ich war süchtig nach diesen Weib … Menschen mit Vagina, ich halluzinierte von ihrem unpraktisch nah beieinander liegendem Zeug, ohne daß sie mich zum Schuß kommen ließen. O nein, lieber favorisierten sie Menschen ohne Vagina, die eine Mischung aus Berggorilla, der verlogenen Lachfratze von Tom Cruise und mental ein Forrest Gump waren. Wie ich sie verachtete, diese Menschen ohne Penis, diese vaginösen Glockenmonster! Und doch, wie sehnlich ich mir wünschte, ihren pH-Wert durch mein basisches Sperma zu schreddern. Einmal, ich war, glaube ich, 17 oder so, habe ich meinen männlich gelesenen Cis-Apparat selber derart oft malträtiert, daß er zu bluten anfing, eine Art Menstruation ohne Vagina sozusagen. Ich bekam Panik.

Später wurde es besser. Dennoch kämpfte ich mit der Schmach, immer nur mit ein- und demselben Menschen ohne Penis, den mir ein Standesbeamter ohne Vagina vertraglich zugewiesen hatte, diese ekelhaften Dinge, die du so vortrefflich beschrieben hast, Lou, zu absolvieren.

Dann aber kam ich zu Erfolg und Geld, und ich kann dir versichern, Lou, diese Menschen ohne Penis fliegen auf Menschen ohne Vagina, aber mit Erfolg und Geld, es wirkt wie ein Aphrodisiakum auf sie, wie ein besonders großer Penis sozusagen. Ich ließ es ab da so richtig krachen, wurde geradezu zu einem Experten für penislose Menschen.

Doch plötzlich waren Erfolg und Geld weg, Lou, ich mußte mir wieder alt und einsam und allein von der Ferne ansehen, wie junge Menschen mit Vagina und Menschen mit Penis Hand in Hand lustwandelten, sich umhalsten, sich Küßchen gaben und mit absoluter Sicherheit heimlich Dinge taten, die trotz ihrer unpraktisch nah beieinander liegenden Schmutzorgane diese noch näherbrachten.

Seitdem hasse ich den Heterosex, Lou! Noch mehr, als du. Aus reinem Neid. Ich gönne es ihnen einfach nicht! Nach der Devise „Wenn ich es nicht bekommen kann, dann sollen sie es auch nicht haben!“ Bei den Schwulen ist es mir egal, das ist bei denen eher sowas wie eine Dehnübung, also im weitesten Sinne Sport. Aber bei den Heteros weiß ich, daß sie es die ganze Zeit mit und ohne Vagina und mit und ohne Penis miteinander treiben und es dabei ernst meinen. Ich weiß es, Lou!

Ich finde deinen Artikel einfach super, Lou, wirklich erste Sahne. Bis auf eine Auslassung von dir, quasi eine besonders auffällige Leerstelle. Vielleicht solltest du mal deine Eltern bei Gelegenheit fragen, wieso du hier auf diesem Planeten weilst. Also jetzt nicht im metaphysischen Sinne, sondern ganz konkret im physischen. Ich hab da einen Verdacht, einen bösen Verdacht.

Aber sonst, wie gesagt, klasse! Wenn es all diese Hetero-Scheiße nicht gäbe, hätten wir vielleicht sogar Freunde werden können, wir hätten glücklich sein können, Lou.

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