TEIL I
FOR ABSENT FRIENDS

“Für abwesende Freunde” ist ein britischer Trinkspruch, der nicht einen Toast auf gerade abkömmliche Freunde meint, sondern auf verstorbene. Doch im normalen und schon gar in einem einigermaßen langen Leben müssen die Freunde nicht erst physisch sterben, bevor sie einem im Kopf nur noch als eine ferne Erinnerung herumspuken oder daraus völlig verschwinden. Es existieren vielerlei Varianten, wie Freunde und Bekannte uns abhanden kommen können ohne daß sie gen Himmel gefahren sein müssen. Man verliert sich aus den Augen, man geht im Streit auseinander und sieht sich nie mehr wieder, man kommt in andere Kreise und mag die alten nicht mehr, man wird enttäuscht, man verliert nach und nach das Interesse an dem einst so hoch interessanten Freund. Und so weiter und so fort.

Dann gibt es jenen Grund für den Verlust der Freundschaft, den ich als “Dying inside” bezeichnen möchte, ein innerliches Abgestorben-Sein des Freundes, so daß man ihn plötzlich nicht mehr wiedererkennt. Von diesem Phänomen soll die erste Folge über das Volk der Deutschen handeln, das sich gegenwärtig wegen einer von monströsen Irren und Politverbrechern aus den Kartellparteien ausgedachten und exekutierten Ideologie im Rückzug zu befinden scheint und fest entschlossen ist, seinem Massenselbstmord halb lachenden, halb vom Moslemmesser zerstochenen Auges über sich ergehen zu lassen. Es ist die Geschichte einer Tragödie, die wie der Inhalt eines Kinderbuchs über händchenhaltender Knirpse unterschiedlicher Rassen mit naiven Lachgesichtern begann und nun in einem desolaten Deutschland in Entfremdung und im herbeigesehnten Genozid endet.

SUSANNE

Wenn in den 80ern bzw. in meinen Zwanzigern in Bonn abends die Sonne unterging, so war uns jungen Männern das egaler als egal. Denn erstens ging sie ja am nächsten Morgen wieder auf und zweitens leuchtete für diejenigen von uns mit randvoll gefüllten Testosteron-Depots und gesundem Kreislauf Tag und Nacht eine Ersatz-Sonne heller als das Original: Susanne! Susanne war zu jener Zeit so etwas wie eine Atombombe, die vom Planeten Venus geradewegs auf den Planeten Bonn abgeschossen worden und inmitten dessen männlicher Bevölkerung mit verheerenden Folgen detoniert war.

Allein ihre überlangen Beine, welche heutzutage wohl nur noch “Photoshop” hinkriegen würde, ihr wasserstoffblonder Marilyn-Monroe-Haarschopf, ihre breiten, wulstigen Lippen, ihr “Holz vorm Hütten”, das sich nur ein sadistischer Porno-Produzent ausgedacht haben mochte, ihre hyperschmale Taille, der sich darunter der schönste Birnenhintern im Obstgarten der Lüste gesellte, ihr ganz offenkundig im Paradies destillierter Wohlgeruch, wenn sie einen streifte … all das ließ uns Männer zu Insassen einer Irrenanstalt für Sexualstraftäter in der Phantasie werden, die samt und sonders unter einer ganz bestimmten Suchtkrankheit litten: Susanne!

Sie kam zu den Cafés oder in die Kneipen herbeigeschwebt stets mit einem Pulk von Freundinnen, die auch nicht ohne waren. Doch sie war immer der Diamant, die anderen Strass. Ich kenne aus meinem näheren Freundes- und Bekanntenkreis niemanden, der mit ihr im Bett gelandet wäre (außer Thomas, aber der war schon immer ein dummes Arschloch gewesen). Ich schon gar nicht. Von sexuellen übertragen auf finanzielle Verhältnisse verhielt sich meine Beziehung zu Susanne wie die eines Bahnhofspenners zu Roman Arkadjewitsch Abramowitsch. Immerhin beachtete sie mich, und wir hatten ein paar Mal sehr anregende Gespräche – womit ich mir allerdings auch nix kaufen konnte. Wir waren damals völlig unpolitisch und interessierten uns nur für den Spaß, für unser berufliches Fortkommen und für die Kunst. Und das 80er-Deutschland, unsere selbstverständliche Heimat bot die ideale Plattform dafür.

Irgendwann zog sich Susanne aus der Öffentlichkeit zurück wie man das bei Berühmtheiten so sagt. Wir hörten, daß sie sich einen Arzt geangelt und geheiratet hätte. Dann, Ende der Neunziger ging das Gerücht um, daß sie wieder geschieden sei. Das war das Letzte, was wir von unserem 80er-Engel hörten. Aber so ist das halt bei Engeln, früher oder später kehren sie zu ihren himmlischen Sphären zurück.

Bis mir vor zwei Monaten mitten auf der Straße jemand auf die Schulter tippt und mich mit den netten Worten begrüßt “Na du Verbrecher!” Ich drehe mich um und erleide um ein Haar einen Schlaganfall: Susanne steht vor mir! Sie ist jetzt 60 Jahre alt und immer noch eine wunderschöne Frau. Doch der Glanz von einst, das Vibrierende, das schon beim ersten Anblick Süchtigmachende sind weg. Da wir nicht blöd auf der Straße rumstehen wollen, entschließen wir uns zu einem Plausch bei einer Tasse Kaffee.

Obwohl Susanne damals die Inkarnation der Fruchtbarkeit gewesen war, blieb sie kinderlos. Über die Gründe wollte ich nichts wissen. Immer wieder sagt sie, wie irre ich doch sei, also nach all dem, was sie über mich gelesen und erfahren habe. Doch ich habe keine Lust, darüber zu reden, weil ich lieber mit ihr in alten Erinnerungen schwelgen möchte. Nachdem sie, wie mir scheint, die Pflicht des mir die Ohren Langziehens hinter sich gebracht hat, platzt mit einem Mal die Kür aus ihr heraus, der wahre Anlaß, weshalb sie mit mir reden wollte.

Sie fühle sich in Bonn, im ganzen Land nicht mehr wohl, sagt sie und verzieht ihr schönes Gesicht zu einer häßlichen Grimasse. Das Straßenbild hätte sich verändert, gliche immer mehr dem in einem islamischen Land; in Bad Godesberg sei es ja schon 1:1 so. Also nicht, daß sie etwas gegen Moslems hätte, ich solle das nicht falsch verstehen. Sie denkt, im Grunde meines Herzens sei ich doch ein Moslem und könnte mich in meiner muslimischen Ehre gekränkt fühlen. Ständig spricht sie von der “Stadt” oder von “Bonn”, das Wort Heimat will ihr nicht über die Lippen kommen.

Dann steigert sie sich hinein: Diese Horden von sinnlos und unmotiviert umherstreifenden jungen Männern, die selbst sie, hihi, eine Oma, so beglotzen würden, als liefe sie nackt rum. Nun ja, entgegne ich, das mit dem Angeglotzt-Werden dürfte ihr ja nicht fremd sein, denn schließlich müsse sie, die begehrenswerteste Queen das aus ihren Jugendtagen her noch gut kennen, unter anderem auch im Zusammenhang mit meiner Wenigkeit. Das war etwas anderes, meint sie, da wäre viel Flirt im Spiel gewesen, so etwas wie ein erotisches Angebot, alles freundlich und brav. Diese Araber, Afghanen, Afrikaner oder wer die alle seien aber starrten sie so unverschämt-aggressiv an, als sei sie Sex-Vieh auf dem Sklavenmarkt und als wollten sie sagen “Begegne du mir mal allein in der Nacht”. Sie gehe sowieso nicht mehr abends ohne Begleitung aus dem Haus, seitdem in Bonn an jeder Ecke vergewaltigt und gemessert werde. Wenn zu unserer Zeit auch nur ein einziges vergleichbares Verbrechen an einem blutjungen Menschen in Bonn wie heutzutage begangen worden wäre, fährt sie fort, hätte man gleich am nächsten Morgen die gesamte Kommunalpolitik ausgetauscht. Wieso würde man dieses Pack ins Land lassen?

Und dann die vielen bekopftuchten und verschleierten Frauen, vor allem junge Frauen. Wo bliebe da der jugendliche Spaß zwischen den Geschlechtern, wenn jedes Mädchen auf der Stirn quasi ein Schild trägt, auf dem “Verboten” steht? Wir hatten damals Respekt voreinander und wußten, wann Schluß ist, sagt sie, ohne daß es uns ein Gott anbefehlen mußte. Überhaupt Religion, schnaubt sie und kommt immer mehr in Fahrt, sie kriege in diesem Scheiß-Land keine Luft mehr. Durch die Hintertür der Ausländer-Liebe sei wieder etwas im Alltag präsent, über das wir uns in den 80ern todgelacht hätten. Alles sei inzwischen dreckig und kaputt. Die Straßenbahn stamme wohl auch noch aus den 80ern, und wer da einsteige, bei dem seien offenkundig sämtliche Sinnesorgane abgestorben, insbesondere der Geruchssinn. Selbst die Südstadt, eine Art Gated Community für Reiche mit wunderbaren Gründerzeit-Bauten, triefe inzwischen vor Schmutz, und es liefen auch dort alle naselang Kopftuch-Brigaden durch die Gegend.

So macht Susanne ihrem Ärger über den Niedergang ihres Bonns immer mehr Luft, vermutlich weil sie glaubt, daß ich ein hauptberuflicher Rechter sei, bei dem ihr die politisch unkorrekte Beichte abgenommen werden kann, ohne daß es jemand erfährt. Ich hätte es nie für möglich gehalten, aber auf einmal tut mir Susanne, die mich in ihrer besten Zeit nicht ranließ, nur noch leid. Sie verliert jeden Tag ein Stück Heimat und kann offensichtlich mit niemandem darüber reden, in der Befürchtung, daß sie dann sozial isoliert werden könnte – ganz viele Freundinnen und so -, was sie in ihrem vorgerückten Alter besonders schlimm träfe.

Weil mir nichts Originelles einfällt, ich aber ihren Kummer trotzdem lindern möchte, rate ich ihr bei der nächsten Wahl die AfD zu wählen. Nicht daß ich mit der etwas am Hut hätte, Parteien interessieren mich grundsätzlich nicht. Darüber hinaus bin ich kein einziges Mal in meinem Leben selber zur Wahl gegangen.

Aber große Überraschung! Nein, sagt sie vehement, das könne sie nicht. Sie wisse zwar, daß die nicht alle Nazis wären, aber irgend etwas sträube sich in ihr, rechte, ja, selbst konservative Parteien zu wählen. Dabei imitiert sie Würglaute, was paradoxerweise eine körperliche Abneigung gegen alles darstellen soll, das sie sich wiederherzustellen wünscht. Früher hätte sie immer die GRÜNEN gewählt, jetzt wähle sie die CDU, die sie völlig korrekt als nicht rechts und konservativ einschätzt. Ihr fällt ganz offensichtlich der krasse Gegensatz zwischen dem, was sie mir gerade erzählt hat, und das Hütchen-Spiel und Zerstörungswerk derer, die ihre alte Welt untergehen ließen, überhaupt nicht auf.

Susanne ist das typische Beispiel einer rückwärtsgewandten, in ihren geschmeidigen Erinnerungen lebenden und die im öffentlichen Diskurs fälschlicherweise stets positiv belegte Moderne nicht begreifenden Frau. Wenn man so will, ist sie eine Abgehängte. Sie glaubt allen Ernstes, daß die GRÜNEN nichts als Umweltschutz im Tornister haben, damit der Rhein sauberer wird und das Atomkraftwerk nicht explodiert, und die CDU ihrer Eltern für die Sicherheit in allen Lebenslagen sorgt, insbesondere in finanziellen. Mag sein, daß sie Merkel als eine harmonische Fusion beider Politiken betrachtet.

Die Ursache für das Elend und den schleichenden Tod ihrer Heimat, der sie nachtrauert, sucht sie nur diffus in den Entscheidungen solcherlei als Politiker verkleideten Killer, die ganz genau wissen, daß die Susannes Deutschlands über ihre Volksverbrechen höchstens hinter vorgehaltener Hand ein bißchen nörgeln werden, aber der grün-linke Kollektivdruck seitens der Regimemedien und des bis zum Volkstod menschelnde “guter Ton” sie schön brav in der Spur halten wird. Der seit sie denken kann in ihrem Kopf implantierte Gegen-Nazis-Chip ist derart effektiv, daß selbst totale und katastrophale Veränderungen in ihrer Realität sie nicht dazu zu bringen vermag, einer im wahrsten Sinne des Wortes Alternative eine Chance zu geben. So bekommt das Ungemach, daß ihr die Luft abdrückt, etwas Naturgewalthaftes, etwas Unfallhaftes, für das niemand etwas kann, etwas, das man beklagen und verfluchen darf, aber gegen den man letzten Endes machtlos ist.

Doch Suzanne glaubt noch ein As im Ärmel zu besitzen. Sie habe von ihren verstorbenen Eltern ein Haus geerbt, berichtet sie, und sobald dieses verkauft sei, würde sie nach Mallorca auswandern, wo auf sie ebenfalls viele Freunde warteten. Ja, dem Paradies steht eigentlich nichts mehr im Wege, und der Letzte macht das Licht aus. Viele meiner Bekannten und Freunde wollen inzwischen das Land verlassen oder sind schon weg. Während massenhaft “Flüchtlinge” hier eindringen, fliehen sie. Sie sehen sich außerstande, sich ihre Lebenslüge von der grandiosen Multikulti-Gesellschaft einzugestehen und den grün-linken Pfad, den sie einst fröhlich pfeifend gingen, in der Rückschau als das zu konstituieren, was er schon immer war: Highway to hell. Zurück bleiben in dieser Hölle ihre Kinder und Enkel, die sich bald nicht nur so dahergesagt schämen werden, ein Deutscher zu sein, sondern weil die neuen Herrenmenschen es ihnen dann befehlen.

Zum Glück hat Susanne keine Kinder, und deshalb sagt sie zum Abschluß unseres Kaffeeklatschs “Naja, nach uns die Sintflut, nicht wahr” und lacht. Ich lache mit, der Sympathie zu ihr der alten Zeiten wegen. Aber mein Lachen ist gekünstelt. Lieber hätte ich mit der Diva meiner Jugend gemeinsam geweint.

(Alle Namen in dieser Serie sind geändert)

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