TEIL I

Am Schluß des mit Marlon Brando und Jack Nicholson als Gegenspieler besetzten Westerns „Duell am Missouri“ (1976 USA / Regie: Arthur Penn) gibt es eine lustige Szene. Naja, lustig ist er nicht gerade, eher grausam und schockierend, obwohl man die Hauptsache gar nicht sieht. Aber ich hatte schon den Tarantino-Humor, bevor dieser auf der Bildfläche aufgetaucht ist.

Brando spielt einen „Regulator“, eine Art selbsternannter Gesetzgeber, Richter und Vollstrecker, der den mit allen Wassern gewaschenen Pferdedieb Nicholson und seine Bande jagt und nach und nach alle deren Mitglieder killt.

In der besagten Szene übernachtet Brando irgendwo in der Prärie am Lagerfeuer und legt sich, nachdem er seinem Maultier sogar ein Liedchen vorgesungen hat, schlafen. Das Bild wird abgeblendet und nach ein paar Sekunden völliger Schwärze hört man aus dem off ein Geräusch: Zsssscht! Brando öffnet die Augen und blickt geradewegs Nicholson ins über ihm gebeugtes Gesicht. Und der sagt: „Weißt du, welches Geräusch dich aufgeweckt hat? Ich habe dir gerade die Kehle aufgeschlitzt.“

Der Zuschauer freut sich einfach über diesen Racheakt, weil Brandos Figur ein sadistisches, geldgieriges und eitles Arschloch ist und vom sehr sympathischen Dieb Nicholson am Ende das bekommen hat, was er auch vierdiente.

Es ist eine beklemmende Vorstellung, aus dem Schlaf zu erwachen und festzustellen, daß man aufgeschlitzt wurde. Aber es ist nur eine Rache-Story, und jeder normale Mensch weiß ja, daß die beiden Protogonisten auf der Leinwand in Wahrheit Schauspieler sind, daß hier eine spannende Geschichte mit überraschenden Momenten erzählt wird und man Geld dafür ausgegeben hat, um sich eben überraschen zu lassen und in menschliche Abgründe und außergewöhnliche Daseinsebenen einzutauchen. Letztendlich handelt es sich um Kunst. Wenn man alle seine Sinne beisammen hat, würde keiner auf den Gedanken, in Anbetracht des Gezeigten irgendwen im Schlaf zu metzeln.

Eine gewisse Sophie Charlotte Rieger bewertet eine ähnliche Szene in einem anderen Film in Bezug auf Vergewaltigungsphantasien dagegen so:

„In Workshops lässt sie manchmal die Tonspur einer Szene aus ‚Twilight‘ laufen: ‚Was machst du hier?‘, fragt die Frau. – ‚Ich schaue dir beim Schlafen zu‘, sagt der Mann. – ‚Seit wann machst du das?‘ Der reine Dialog klingt bedrohlich, aber die Szene im Film ist romantisch. ‚Welche Art von Narrativ nährt das im wirklichen Leben?‘, fragt Sophie Charlotte Rieger.“

Dieses Beispiel ist derart bescheuert, daß es nur von einer Frau kommen kann. Zunächst einmal handelt es sich bei den zitierten Figuren nicht um irgendeine Frau und um irgendeinen fremden Mann, sondern um Bella und Edward, sie sind eines der berühmtesten Liebespaare der Populärkultur. Selbst wenn Edward Bella sagen würde „Als ich dich während du schliefst so beobachtet habe, bin ich richtig geil geworden. Laßt uns ficken“, selbst dann kann man daraus keine Vergewaltigungsphantasie destillieren, weil die beiden ja so wahnsinnig ineinander verliebt sind.

Geht aber noch weiter. Wenn die assoziierte Vergewaltigungsphantasie doch unter dem Deckmantel der Romantik rüberkommen soll, weshalb läßt unsere Sexismus-Expertin das Bild in ihren Vorträgen weg, so daß wir uns im buchstäblichen Sinne kein Bild von der Situation machen können? Filme ergeben doch ohne Bild gar keinen Sinn, weil sie dann nicht einmal zu Hörspielen werden, sondern zu einem unvollständigen und zusammenhanglosen Etwas. Sogar in Drehbüchern, in denen überhaupt kein Bild zu sehen ist, wird das zu erstellende Bild dennoch en détail beschrieben. Was ist das für eine bekloppte Methode, um ums Verrecken Sexismus in Filmen nachzuweisen?

Die Twilight-Filme werden zumeist von pubertierenden Mädchen angeguckt. Nach Sophies Theorie übernimmt also die junge Zuschauerin aus dieser Szene das „Narrativ“: Es ist normal, daß Männer Frauen vergewaltigen. Selbst Bella hat ja irgendwie nix dagegen gehabt. Ich muß deshalb damit rechnen, auch mal vergewaltigt zu werden, was ich ebenfalls als normal zu akzeptieren habe.

Wie kommt man auf so einen Scheiß?! In welcher Untersuchung wurde nachgewiesen, daß Männer durch solcherlei Szenen wie in Twilight zum Vergewaltigen angestiftet wurden und Frauen es als eine Selbstverständlichkeit adaptieren? Gibt es diesbezüglich eine konkrete Zahl in der Kriminalstatistik? Die meisten Vergewaltigungen werden hierzulande von jungen Moslems verübt. Hat man schon herausgefunden, daß diese große Twilight-Fans sind?

Ach übrigens: Die beliebteste sexuelle Phantasie bei Frauen ist immer noch die Vergewaltigungsphantasie. Nicht falsch verstehen, hat nix mit ihrem realen Wunsch danach oder ihrer realen Interaktion mit Männern zu tun.

Doch wer ist diese Sophie Charlotte Rieger, die offenkundig wie ein feministischer Spürhund Sexistisches in Filmen erspürt und aufdeckt? Am 26. September befindet sich ein Portrait über sie in der Berliner Zeitung: „Sexistisch ist fast alles, was aus der Schweiger-Schweighöfer-Ecke kommt“

Das ist natürlich Schwachsinn, denn nicht fast, sondern alles, was aus der Schweiger-Schweighöfer-Ecke kommt, ist nicht sexistisch, sondern große Scheiße, künstlerisch wertloser Müll. Doch wer’s mag.

Und doch klingt in diesem Satz etwas an, was dem betriebsfremden Leser nicht auffällt, nämlich der geplante Griff der Hauptsache-nicht-richtig-arbeiten-Fraktion aus den universitären Quassel-Bereichen, die inflationär überflüssige Geschwätzwissenschaftler produzieren, in den Kulturetat des Steuer-States. Insbesondere keinen Mehrwert und Wohlstand herstellende Frauen, die in früheren Zeiten in der Regel nur für das Familien- und Sex-Management zuständig waren, leider auch heutzutage nicht von ihrem Erlernten leben können, weil’s halt keine Sau braucht, wollen immer eindringlicher durch behauptete Verbrechen wie Sexismus, Rassendiskriminierung, Frauenbenachteiligung usw. mit dem Druck der zeitgeistigen Deutungshoheit kräftige Schlucke aus der Milliarden-Pulle beim Posten Kunst und Kultur für sich abzweigen. Mehr noch, sie wollen exzellent bezahlte Richterinnen und Entscheider von zu verteilendem Geld für echte Kulturschaffende sein.

Aber bevor ich dazu komme, etwas Wesentliches.

Filmkunst funktioniert ohne Geschlechterklischees und Sexismus nicht. Und ohne Zuschreibungen von Rassenmerkmalen nur bedingt. Eine erfolgreiche Filmkomödie ohne Sexismus gibt es nicht.

Was macht Wonder Woman, wenn sie sich in einen Mann verliebt und mit ihm in die Kiste geht? Vermöbelt sie den Kerl dabei? Läßt sie nur Blümchen-Sex zu? Oder streckt sie ihm auch nur devot ihren Arsch hin wie es der Mann gerne hat?

Wäre das Film-Juwel „Manche mögen’s heiß“ (1959 USA / Regie: Billy Wilder) überhaupt vorstellbar, wenn Tony Curtis und Jack Lemmon das Weibliche nicht bis in den Wahnwitz karikieren würden?

Würde der beste Film aller Zeiten über Stalking „Eine verhängnisvolle Affäre“ (1987 USA / Regie: Adrian Lyne) solch einen Horror entfalten, wenn Glenn Close nicht so meisterhaft das Klischee der verlassenen, hysterischen  Geliebten bediente?

Wie produziert man eine über Maßen erfolgreiche Teenager-Filmreihe wie „American Pie“ ohne die Hauptsache Sex und Sexismus in den schmutzigsten Varianten?

Wie soll überhaupt über die tiefsten Abgründe der Begegnung von Mann und Frau, über die Kehrseite der „schönsten Sache der Welt“ ein Film gemacht werden, wenn man den traurigsten aller traurigen Filme über sexuelle Begegnungen zwischen Mann und Frau wie „Der letzte Tango in Paris“ (1972 Italien, Frankreich / Regie: Bernardo Bertolucci) von vornherein ausschließt? Fragen …

Gut, man könnte Action-Filme herstellen, in denen die Frau genauso hart und erbarmungslos agiert wie der Mann – was man auch immer mehr tut. Man könnte mehr weibliche Kommissare, Präsidenten und Wissenschaftler in die Drehbücher reinschreiben – was auch schon Routine ist. By the way, in der Film-Ikone des Sexismus „Pretty Woman“ (1990 USA / Regie: Garry Marshall) lernen sich Mann und Frau überhaupt kennen, weil sie von Autos mehr Ahnung hat, als er.

Doch wie soll die ideale Darstellungsform von Mann und Frau ausschauen, wenn es ins Eingemachte geht, ohne daß Story und Performance langweilig und vorhersehbar werden? Wie soll überhaupt Kunst entstehen unter der Maßgabe des Political Correctness?

Sollen die Geschlechter nur als geschlechtslose Wesen, zumindest mit geschlechtlich austauschbaren Attributen zueinanderfinden und immer darauf achten, daß einer den anderen bloß nicht dominiert? Soll der Mann stets als liebenswürdiger Schluffi und Trottel (in Komödien ist er es sowieso immer), aber auch als irre männlicher, aber mit der Gefühligkeit eines Schmusepüppchens ausgestatteter Vollbartträger in Erscheinung treten und die Frau stets als ihr eigenes Ding machende und unendlich weise „Persönlichkeit“? Soll das Böse, der Verachtenswerte nonstop in der Gestalt des Nazis, dickbäuchigen Frotzelers und Vergewaltigers, dessen Tat man natürlich wegen Nachahmungs-Befürchtungen nicht zeigen darf, und des emotionslosen Wirtschaftsbosses auftauchen? Wo ist da der Witz?

Doch zurück zu Sophie Charlotte Rieger. Wie alle Frauen ihres Schlages hat sie natürlich Geschwätzwissenschaften studiert. Und fix herausgefunden, wie der Hase in der Blabla-Branche läuft:

„Heute gendert Sophie Charlotte Rieger selbstverständlich, auch wenn sie spricht. Sie macht dann eine kurze Pause zwischen der männlichen und weiblichen Endung: Etwa bei  Filmemacher_innen. Heute ist Sophie Charlotte Rieger die Filmlöwin. Das ist kämpferisch gemeint. Seit 2014 betreibt die 1982 in Berlin Geborene das gleichnamige, feministische Online-Filmmagazin. Erst allein, dann zusammen mit einem sechsköpfigen ‚Rudel‘ betrachten sie Filme aus feministischer Perspektive – als einzige regelmäßig erscheinende Publikation in ganz Deutschland. In diesem Jahr organisierten sie dank Fördermitteln sogar eine queerfeministische Filmreihe in Berlin.“

„Fördermittel“ ist hier der Schlüsselbegriff nach der Devise „Folge der Spur des Geldes“. Denn obwohl es am Ende des Artikels heißt, daß sie ihre Aktivitäten „so gut wie unbezahlt“ betreibe, sprechen diese für genau das Gegenteil:

„Und ihre Expertise ist gefragt, sie unterrichtet an Filmhochschulen. Doch es ist ein Haken dabei. ‚Meine Veranstaltungen sind freiwillig, es kommen also nur die, die sich ohnehin dafür interessieren.‘ Sophie Charlotte Rieger bietet beispielsweise auch Drehbuchlektorate an. Dass es dafür nur lediglich die englische Bezeichnung sensitivity reading gibt, sagt schon einiges. In der Regel seien es Studierende, die sie ansprechen. Ein Hoffnungsschimmer, vielleicht tut sich ja was. Sie würde aber gern auch mal einen ‚Tatort‘ unter die Lupe nehmen – nicht zuletzt auch, weil es dann besser bezahlt wäre.“

Wieso unterrichtet eine Feminismus-Priesterin in einer Filmhochschule? Die Leute dort sollen lernen, wie man geile Filme macht und nicht das Schizo-Gequake über Blockbuster wie Twilight von einer talentfreien Emanze. Und wieso sollte eine selbsternannte Zensur-Funktionärin „mal einen ‚Tatort‘ unter die Lupe nehmen“? Wofür soll das gut sein? Wer hat einen Bedarf dafür?

Von wegen „so gut wie unbezahlt“. Im Gegenteil, Sophie steht kurz davor, sich ein hübsches und mit rausgeschmissenem Steuergeld unverschämt gut bezahltes Pöstchen als Gängelungs- und Verbots-Beamtin der Filmkunst zu ergattern. Die Reichsschrifttumskammer hätte ihr damals einen Orden verliehen. So läuft es immer mit den Karrieren der Geschwätzwissenschaftler hierzulande.

TEIL II erscheint in den nächsten Tagen

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