Herzlichen Glückwunsch nachträglich zu den mehr als 20 Preisen und Nominierungen für euren Kurzfilm “Ausstieg rechts” aus dem Jahr 2015, den ich leider etwas spät, aber dank der Verbreitung in den sozialen Medien doch noch sehen durfte. Das heißt, der verspätete Sehgenuß hatte vielleicht doch etwas Gutes. Denn so erhielt ich einen Einblick in die damalige schiefe Wahrnehmung von mindertalentierten, cineastisch völlig uninspirierten, von Storylogik null Ahnung besitzenden, insbesondere aber durch und durch systemkonformen Regisseuren/Drehbuchautoren, die in Erwartung weiterer Förderungs-Budgets der Staatskultur-Kaste prophylaktisch die Stiefel lecken. Kein Wunder, ist doch das 5-Minuten-Filmchen über den “Alltagsrassismus” von sage und schreibe 8 staatlichen und halbstaatlichen Stellen mit Steuerkohle gefördert worden, die für ihr Geld auch eine astreine Werbung für ihre fanatische Multikulti- und Völkeraustausch-Agenda abgeliefert haben wollten. Es ist also eine reine Auftragsarbeit.

Eigentlich ist der Propaganda-Clip es nicht wert, darüber viele Worte zu verlieren, dient er doch nur dazu, den Status quo des österreichischen und deutschen Selbsthasses und die Legende des immer guten Fremden anhand eines pfiffig und witzig sein sollenden Lehrfilmes zu konservieren. Er überzeugt jenen, der schon überzeugt ist, und keinen mit gegenteiliger Überzeugung. Weshalb ich ihn mir trotzdem vorknöpfe, ist in erster Linie dem Erstaunen über so viel Irrealität und handwerklichem Murks geschuldet. Vor allem jedoch macht mich seine absolut totalitäre Botschaft sprachlos, daß man andere Menschen ausgrenzen darf, wenn man glaubt, auf der richtigen, also der Staatsideologie frönenden Seite zu stehen. Was die Presse natürlich ganz anders sieht.

“Der Film von Höller & Wenger zeigt einen möglichen ‘Ausstieg rechts’ aus Rassismus im Alltag – mit Zivilcourage und einer humorvoll-subtilen Strategie, und ohne Gewalt.”

 

Ist es so? Dann wollen wir ihn mal unter die Lupe nehmen. Die Geschichte spielt sich in einem Bus des öffentlichen Nahverkehrs ab, in dem, soweit man es erkennen kann, ausschließlich Einheimische bzw. Weiße hocken. Unwillkürlich fragt man sich, wann die Filmemacher zuletzt Bus oder U-Bahn gefahren sind, daß sie solch eine unwirkliche Szenerie aufbauen. Selbst im ländlichen Raum wie hier angedeutet handelt es sich bei den Passagieren des öffentlichen Nahverkehrs heutzutage (auch schon 2015) zu zirka 70 Prozent, in Großstätten sogar bis zu 90 Prozent um Ausländer oder Leuten mit sogenanntem Migrationshintergrund. Wortfetzen in deutscher Sprache sind darin selten zu hören, und die Kopftuchdichte kann sich durchaus mit der eines orientalischen Landes messen lassen. Oder ist das Ganze eine Retro-Impression vom Anfang der 80er?

Exakt aus jener Zeit teleportiert scheint auch die Hauptfigur dieses Propagandastücks im Bus zu sein, nämlich ein autoritärer deutscher Bilderbuch-Spießer wie aus einem Rainer-Werner-Fassbinder-Film, der zu jener Zeit gewöhnlich und vortrefflich von Walter Sedlmayr dargestellt wurde. Von seinem Sitz aus beobachtet er kontrollierend, ob die Einsteigenden auch brav ihre Fahrscheine am Apparat entwerten.

Dann der große Auftritt: Ein einsamer, schmächtiger und sehr schüchtern wirkender Schwarzer, der an der Fahrerin vorbeigeht und ohne ihr ein Langzeit-Ticket zu zeigen oder einen Fahrschein zu entwerten sich auf den Sitz vor dem Spießer platziert.

Jetzt kommt die nächste Absurdität. In einem Land, in dem echter oder eingebildeter Rassismus schlimmer geahndet wird als Mord, in dem fast jeder denunziatorisch derart auf Bunt-Land-Linie gebracht worden ist, daß er bei solch einem Fehlverhalten sogar seine eigenen Eltern und Kinder in den Knast stecken lassen würde, ja, in einem Land, in dem jeder Andersfarbige heiliger ist als Jesus Christus und Gott, der Allmächtige, will der Spießer offenkundig Selbstmord begehen. Statt sich eins zu denken, pöbelt er den armen Schwarzen laut an, daß er ein Schwarzfahrer sei. Das ist so glaubhaft wie die Meldung über die bevorstehende Hochzeit von mir mit Scarlett Johansson.

Der Klischee-Rassist steigert sich nun richtig in seinen Ausländerhaß hinein, richtet den Schwarzen regelrecht mit der Beschuldigung, daß “sie” alle auf unsere Kosten leben würden, hin, bis dieser im akzentfreien Deutsch (freilich nachträglich von einem berühmten Sprecher synchronisiert) sagt “Ich habe eine Jahreskarte” und sich woanders hinsetzt. Während der Unsympath wütet, ja, richtiggehend ausrastet, gucken und hören alle anderen Passagiere weg und tun so, als würde gar nix passieren. Obgleich auch das so realistisch ist wie meine baldige Hochzeit mit Scarlett, gibt es plötzlich einen Wahrheitsmoment – allerdings im spiegelbildlichen Sinne. Selbst der letzte Depp weiß heutzutage, daß sowohl verbale als auch körperliche Gewalt in den Öffis fast zur Gänze von Ausländern ausgehen, bis zu Kopftretereien, Messerstechereien und Morden sogar. Und dabei ist das Verhalten der restlichen Passagiere genau das gleiche wie im Film dargestellt, nämlich betretenes Schweigen und Unterlassung von Hilfe. Was wollen uns also die Herren Filmmacher mit dieser Szene sagen? Daß genau das Umgekehrte der Fall ist? Meine Güte, wie kann man sich nur für das bißchen Geld so wegschmeißen!

Dann endlich tritt der Held auf. Ein verintellektualisiert wirkender Eierkopf etwas weiter vorne, der dem Aussehen nach ZEIT-Journalist oder Theaterintendant sein könnte, hat den ganzen Kladderadatsch eine Weile schon aus den Augenwinkeln mißbilligend beobachtet. Er bittet den Spießer nun leise zu sein und nicht so viel Scheiße zu reden. In Wahrheit ist er aber eine rhetorische Figur, die für die grün-linke Diskurshoheit und die Definitionsmacht innehabende, veröffentlichte und in Politik gegossene Meinung steht und ein Fehlverhalten von Ausländern per se leugnet. Sie greift immer ein, wenn der strunzdumme, selbstredend naziöse, kurzum widerliche Volkswille (hier dargestellt von einem irrealen Steinzeit-Spießer) vernehmbar wird und die aus Seifenblasen und Lügen bestehenden Mauern des Buntland-Hauses zu wackeln beginnen. Dabei werden angeblich aus psychologischen Erkenntnissen destillierte, den Eindruck von hehrer Philosophie erweckende, doch in Wahrheit aus reiner Luft bestehende Kalenderweisheitssprüche immer wieder gern genommen. So wie den hier, den unser graumelierter Antirassist dem Spießer an den Kopf blökt: “Vielleicht kommt ja ihr Menschenhaß daher, daß Sie sich selber nicht mögen?” Naja, vielleicht auch nicht.

Daraufhin flippt dieser komplett aus und fordert den Cheflektor des Suhrkamp-Verlages allen Ernstes auf, auszusteigen und sich mit ihm zu prügeln. Ja, ihr doofen Hollywood-Wichser, eure Drehbuchautoren haben vielleicht ein bißchen Phantasie, nehmen Drogen und können sich so einen Scheiß wie “Avatar” ausdenken. Aber unsere sind geradewegs aus dem Irrenhaus entlaufen, ätsch!

So, und nun kommt die Pointe – oder sowas Ähnliches. Der Spießer zwingt die Fahrerin, den Bus anzuhalten und steigt aus. Ihm folgt der Intellektuellendarsteller, doch anstatt ebenfalls auszusteigen, fordert er die Fahrerin auf, einfach weiterzufahren. Der Bus fährt weg, und der Spießer steht mutterseelenallein auf weiter Flur da – “Ausstieg rechts” und Ende.

Saukomisch oder? Zum Brüllen! Tränen gelacht!

Dennoch harren einige Fragen der Antwort. War der Intellektuellen-Fuzi in Wahrheit nur zu feige, um sich mit dem Spießer zu prügeln? Wo ist der Schwarze abgeblieben? Hatte er nun einen Fahrschein oder nicht? Kann der Spießer das Geld für seinen Fahrschein von den Öffis jetzt zurückverlangen, weil er ja nicht ordnungsgemäß bis zu seinem Wunschziel befördert worden ist? Haben Höller & Wenger wegen des Erfolgs ihres Filmes auf “über 125 Festivals” ein Angebot für ein amerikanisches Remake aus Hollywood bekommen, vielleicht mit Denzel Washington als “The Nigga” und John Goodman als “Mr. Spiezer”? Oder haben sie gar gedroht, den nächsten Tatort zu drehen? Warum sieht die ganze Chose wie ein 08/15-Abschlußfilm einer Filmakademie aus und besitzt keine coole Mission: Impossible-Filmästhetik mit Hubschrauber-Stunts und so? Etwa weil alle 8 Gegen-Rechts-Fördertöpfe nur 259,11 Euro dafür rausgerückt haben? Und wenn man schon Staatspropaganda für die Ausländerisierung Deutschlands betreibt, muß man es unbedingt mit dieser Art der primitiven Holzhammer-Methode tun? Sogar ich traue mir zu, innerhalb einer Stunde an Steven Spielbergs Handy-Nummer ranzukommen.

All diesen Fragen gehe ich jetzt recherchierend nach. Laß mir etwas Zeit …

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