So Pi mal Daumen geht man im professionellen Filmgeschäft davon aus, dass eine Drehbuchseite einer Minute Film entspricht.

Wenn wir ein 7-Millionen-Euro-Budget für unseren Spielfilm haben und dieser eine durchschnittliche Länge von 90 Minuten besitzt, so kostet eine Filmminute 77.777 Euro.

Da ist alles dabei: Drehbuch, Dreh, Schauspieler, Nebendarsteller, Crew und ihre Gagen und Unterbringung, Setdesign, Catering, Kostüm, Maske, Locationmiete, Ausrüstung, Schnitt, Sounddesign, Musik usw.

Wenn ein Film (verteilt über sieben Clips à 2,33 Minuten) insgesamt eine Länge von 16,31 Minuten aufweist und wir diese mit den oben genannten 77.777 Euro multiplizieren, so ergäbe sich eine Endsumme von 1.268.542 Euro.

Dies ist jedoch im vorliegenden Fall immer noch zu hoch gegriffen, da es sich um Werbung handelt, die sich von der Story her an einem einzigen inneren Ort abspielt, sodaß sich Reise- und Transportkosten auf ein Minimum beschränken und man am Stück, ohne aufwendige Umzüge, Beleuchtungswechsel und Rücksicht auf Wetterverhältnisse, durchdrehen kann. Realistisch müssten 500.000 Euro oder – wenn man es besonders opulent haben möchte – ein paar Hunderttausend mehr reichen.

Wie kommt es dann aber, dass aktuell die unsympathischste Werbung für die Deutsche Bahn ever, bei der die Kunden verhöhnt und als Volltrottel dargestellt werden, 7 Millionen kostet, also ein Clip pro Minute 429.184 Euro? Das ist Star-Wars-Filmbudgetniveau!

Zum Vergleich: Wir versuchen seit längerer Zeit, unseren zweistündigen Spielfilm ODETTE auf eine halbe Million Euro zu kalkulieren, also auf ein klein wenig mehr als die Bahnwerbung für eine Minute. Noch ein Vergleich: Der nach meinem Roman DIE DAMALSTÜR produzierte Spielfilm DIE TÜR mit Mads Mikkelsen in der Hauptrolle hat 4 Millionen Euro gekostet.

Wie kommt’s? Hat man Brad Pitt als Hauptdarsteller und Christopher Nolan als Regisseur engagiert?

Ganz einfach: weil es sich ja um Steuergeld handelt und die Produktions- oder Werbefirma die Bahn nach allen Regeln der Kunst so richtig verarscht hat.

Nun habe ich keine große Ahnung von Werbung und kann nur darüber spekulieren, ob das Budget für diese siebenteilige Clip-Serie allein für den Inhalt draufgegangen ist oder ob da noch anschließende Werbeaktionen stattgefunden haben. Doch andererseits scheine ich so Unrecht nicht zu haben. Denn als das Geraune um dieses Mega-Budget begann, erklärte die Regierung die Produktionskosten kurzerhand zur „Geheimsache“, als ginge es um Codes für Interkontinentalraketen. Schließlich aber flog die Sache doch auf.

Meiner Meinung nach ist es folgendermaßen abgelaufen: Ein Bahn-Heini, der in Wahrheit weder von Werbung noch von Film noch von irgendwas eine Ahnung hat und dem das alles auch am Arsch vorbeigeht, kommt zu einer Produktions- oder Werbefirma und sagt: „Wir wollen so eine Clip-Kampagne für die Bahn in Auftrag geben.“

Darauf der abgewichste Produzent: „Uiuiui, das wird teuer! Da müssten wir die Hauptwerbefigur mit einem Star besetzen, sagen wir mal Anke Engelke. Die kostet ja schon 150.000 Euro pro Clip, wenn nicht noch mehr.“

Das Ding ist nur, dass Engelke gar kein Star ist, denn alle ihre Kinofilme sind gefloppt, und für die Späßchen, die sie im Fernsehen gemacht hat, hat auch keiner freiwillig etwas bezahlt. Das macht nämlich einen Star aus: daß man Geld zahlt, um ihn zu sehen. Das gilt für die gesamte deutsche Filmbranche, die komplett vom Steuerzahler alimentiert wird.

Und so geht die Verarsche mit jedem Gewerk in der Herstellung dieser Werbung munter weiter, sodaß am Ende 7 Millionen Euro für sieben kurze Clips bezahlt werden müssen.

Der Bahn-Heini sagt zum Abschluss des Gesprächs: „Hört sich super an. Schreiben Sie mir eine Rechnung. Ich bezahl’s ja eh nicht, sondern der Steuerzahler.“

Und das muss man nur noch auf jede staatliche Auftragsvergabe hochrechnen, multipliziert mit Milliarden.

Noch etwas: Schon jetzt, aber erst recht in ein bis zwei Jahren, werden solche Bewegtbild-Clips nur noch mit KI für ein Abo von 30 Euro pro Monat generiert. In der Fotobranche ist der Verkauf von Profi-Fotokameras um 40 % eingebrochen, weil man z. B. in der Werbung oder auf dem Zeitschriftenmarkt keinen Profi-Fotografen mehr braucht, um ein professionell geschossenes Bild von irgendwas zu bekommen. Und Konsumentenkameras gibt es ohnehin nicht mehr, weil der Normalo seine Fotos mit dem Handy schießt.

Doch ich wette, dass man den Vollidioten von der Bahn selbst in zehn Jahren für sieben Clips immer noch einen Endpreis von 7 Millionen aufs Auge drücken kann.

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