(Zum Hören am Ende des Textes)

Es ist zum Kotzen, immer dasselbe!

Margarete Stokowski stampft in ihrer 12-Quadratmeter-Wohnung mit Klo draußen im Flur auf und ab und könnte sich die Haare ausraufen.

Seit ein paar Jahren schreibt sie auf SPIEGEL-Online neben anderen verhaltensauffälligen Alphabetisierten regelmäßig Kolumnen über das gesellschaftliche Problem Nr. 349967 oder Nr. 479012 oder Nr. 360098, die im Berliner Superhelden-Universum “IMM” (Irgendwas mit Medien) jedoch die gleiche gewichtige Rolle spielen wie der Thronfolge-Streit bei “Thor”. Sie alle eint die Angst, am Ende so auszusehen wie Sibylle Berg.

Für jede veröffentlichte Kolumne bekommt Margarete vom SPIEGEL-Verlag 23 Euro und einen Karton mit Kosmetika-Proben von Douglas. Das Geld nimmt sie gern, kann sie doch davon eine Woche lang bei Wasser und Brot leben, und als Weihnachtsgratifikation gibt es auch noch eine Büchse Sardinen obendrein. Doch noch mehr tut sie es wegen der Douglas-Proben. Du bekommst das Polen-Mädchen aus Polen heraus, aber Polen nicht aus dem Polen-Mädchen.

Am Anfang ihrer Anstellung hat ihr diese Kolumnen-Scheiße auch Spaß gemacht. Sie konnte ihre reichhaltige Palette an Themen so richtig abarbeiten, als da wären Feminismus, feministische Steinigungen in Iran, Feminismus mit reduzierter Mehrwertsteuer, Frauenunterdrückung, Frauenunterdrückung von hinten, Frauenunterdrückung anal, Feminismus bei der Cro-Magnon-Frau (“Ist der Tampon aus Stein die bessere Alternative?”), Frauenunterdrückung bei Lesben (“Wir basteln uns aus einer 3-Liter-Cola-Flasche einen  Umschnall-Dildo”), das Sehen von sehr vielen Gender-Sternchen, nachdem sich der Flüchtling Abdullah bei der Studentin Sophie in einer dunklen Gasse mit “Salam alaikum!” vorgestellt hat, Antikapitalismus, Antikapitalismus und Feminismus bei Jeffrey Epstein, Antikapitalismus bei den Geissens, Rassismus bei Ameisen-Stämmen (“Lieber tot als rot”), Rassismus bei Türken und Kurden und wer wessen Mutter öfter fickt, Blackfacing im Tierreich (“Ist Mimikry noch zeitgemäß?”), Feminismus, Antikapitalismus, Rassismus und Homophobie im  ZDF-Fernsehgarten und warum inzwischen jede Nutte, jedes reiche Schwein, jeder Neger und jeder Schwuchtel da rein darf…

Ja, am Anfang ihrer Kolumnisten-Karriere da brannte Margarete noch für ihre Texte. Sie genoß es, wenn mindestens eine Billion SPIEGEL-Online-User ihr eine ebenso starke Persönlichkeit wie Wilma aus “Die Familie Feuerstein” bescheinigten, ihre Themenvielfalt lobten, die zwar nicht an die intellektuelle Schärfe von “Die kleine Raupe Nimmersatt” heranreichen würde, aber sich dafür mit dem quirligen Esprit von Frank-Walter-Steinmeier-Reden messen lassen könne, und meinten, sie sei wunderschön, weil sie so geil schiele.

Irgendwann jedoch begann sich Margarete, die im Berliner Medien-Puff in Anlehnung an “Die Garbo” nur noch “Das Stokowski” (wegen Geschlechter-Dingens und so) genannt wird, zu langweilen. Sie hatte in ihren vielen Kolumnen ja schon alles gesagt, kritisiert, verflucht und aufgebauscht, was nicht nur sie selber nicht betraf, sondern gar niemanden, vielleicht irgendwelche Freaks, Geistesgestörte, maoistische Sektierer mit Stinke-Bart und Analkugeln-Anwender, das ja, aber jedenfalls mit der Lebensrealität von normalen Menschen nix am Hut hat.

Es wurde für Margarete immer schwieriger und deprimierender, sich jede Woche irgend so eine Beklopptheit aus dem Arsch zu ziehen, die inzwischen für das vorwiegend vom Steuergeld finanzierte Relotius-Magazin vorzeigbar wäre. Kurzum, sie war ausgebrannt.

Am schlimmsten sind die Anrufe vom Chefredakteur bei vorrückender Deadline, der in den Hörer brüllt, wann sie gedenke, die Wichse endlich zu mailen und daß sie bloß nicht schon wieder so eine Säuferkotze wie letztes Mal abliefern solle – doch, doch, so rauh ist inzwischen der Umgangston beim SPIEGEL.

Margarete ist jetzt auf 180, sie massiert sich mit beiden Händen die Schläfen, springt im Sechseck in ihrer Wohnung rum, verfällt ins Tourette und schreit immer wieder “Fuck! Fotze! Faustfick!” Und: “Julian Reichelt ist beschnitten!” Verdammt nochmal, sie muß sich ganz fix irgendein Thema aus den Rippen leiern, sonst bekommt sie die Proben von Douglas nicht.

Vielleicht wieder irgendwas mit Black Lives Matter? Aber über diesen ganzen Neger-Mist hat sie doch schon hundertmal was geschrieben, dafür läßt der Chefredakteur bestimmt nicht die Nachtcreme-Probe springen. Oder etwas über Patriarchat-Gelüste bei der AfD? Schwachsinn, da kann sie auch gleich den Wetterbericht für die nächsten drei Tage abtippen, den kennt auch schon jede Sau.

Margarete geht ins Internet, will wissen, was gerade hot ist. Corona, Corona, Corona, ja, ja, ja, sie kann es nicht mehr hören! Darüber zu schreiben wäre so ein Aufreger wie wenn sie darüber resonierte, daß DJ Ötzis Song “Ein Stern (… der deinen Namen trägt)” nicht den Alltag von Geringverdienern widerspiegele.

Aber halt, da ist plötzlich was: Die Leute wollen über Ostern nach Mallorca in den Urlaub fliegen, weil die Insel nicht mehr als Corona-Risikogebiet eingestuft wurde. Und ob dieser Leichtsinnigkeit würden sich viele, die sich in der verordneten DDR hierzulande bereits gemütlich eingerichtet hätten, irre ärgern.

Okay, das ist jetzt etwas dünn, aber wenn man es auf eine Meta-Ebene höbe, irgendwie mit Klassenkampf verknüpfte, dabei die einfachen Leute in Schutz nähme, aber dafür wieder auf “die Reichen” und die Konzerne einprügelte, ja dann könnte sie mit etwas Glück eine erstklassige Stokowski-Nummer zusammenschwurbeln.

Und so schreibt Margarete die Kolumne “Wohin mit der Wut wegen Malle?”, die am 16. 3. erscheint. Der Untertitel hört sich allerdings ein bißchen schizo an:

“Mallorca ist nicht mehr Risikogebiet. Ran an die Flugtickets! Das sorgt natürlich für Ärger. Dabei sollten sich die Menschen statt über Urlaubsreisende lieber über den Kapitalismus empören.”

Welcher Kapitalismus? Das klingt einigermaßen paradox, denn gleich am Anfang regt sie sich ausgerechnet darüber auf, daß der Staat marktwirtschaftliche Gesetze, meinetwegen den Kapitalismus, wo es um freien Wettbewerb der Ideen, Dinge und Arbeitsleistungen geht, teilweise aufgehoben hat.

“Beginnen wir mit einem Glückwunsch an die Lufthansa, die vielleicht prächtigste Schlange, die die Bundesregierung in dieser Pandemie an ihrer Brust gesäugt hat: das neun Milliarden schwere, ökonomisch fragwürdige Hilfspaket für die Fluggesellschaft ist nur wenige Monate her, da blüht der kleine Racker förmlich auf und feiert die dritte Welle der Pandemie mit Extraflügen seiner Tochtergesellschaft Eurowings nach Mallorca …”

Dann ist doch Margaretes Traum vom Ende des Kapitalismus schon ein Stück weit erfüllt, wenn die Regierung die Lufthansa quasi verstaatlicht hat. Was soll denn die Lufthansa jetzt tun, Flüge aus dem Homeoffice mit dem “Microsoft Flight Simulator” anbieten?

“Seit den ersten Wochen der Pandemie vor rund einem Jahr habe ich mich häufig gefragt, wie es sein kann, dass sich nicht viel mehr Menschen durch offensichtlich kontraproduktive politische Entscheidungen in eine Richtung radikalisieren, in der sie kapitalismuskritischer werden und offener für solidarische Ideen, die Gesundheit und Leben vor Profite stellen.”

Echt jetzt, “seit den ersten Wochen der Pandemie”, wo schon so etwas wie sozialistische Tristesse eingetreten ist und später noch volle Kanne, hat sich Margarete gefragt, weshalb die Leute sich nicht für den Kommunismus “radikalisieren”?

Ganz einfach, Margarete, weil man im Kommunismus nicht mal so eben ein Entrecôte-Steak beim Argentinier essen und nicht mal so eben nach Malle fliegen kann, genauer niemals im Leben. Weil man in einem kommunistischen System der “solidarischen Ideen”, in dem alles umverteilt wird, genauso wie im jetzigen Corona-Regime lebt, allerdings ohne Aldi, Lidl, Edeka, Netflix, Amazon und Liferando.

Vergleich doch mal Fotos von pubertierenden Mädchen aus kommunistischen Staaten von früher mit den Mädchen im Westen auf den Straßen. Fällt dir da was auf? “Unsere” Mädchen sehen von ihrer körperlichen Entwicklung her schon mit 13 Jahren so aus wie im Kommunismus aufgewachsene Frauen mit 25. Weißt du auch, woher das kommt? Durch den kapitalistischen Wohlstand, beste und abwechslungsreiche Ernährung usw.

“Warum auch sollten Menschen neben Zoom-Konferenzen, Homeschooling, Trauer um Verstorbene, Zukunftsängsten und psychischen Problemen noch die Kraft aufbringen, sich ein neues System vorzustellen?”

Frau, was sind das für bekloppte Fragen? Die Leute wollen überhaupt kein “neues System”, sie sind schon heilfroh, wenn sie das halbsozialistische System von noch vor einem Jahr zurückhätten, wo sie sich ganz normal in einem Geschäft ein T-Shirt kaufen oder ins Schwimmbad gehen können. Außerdem haben etwa 16 Millionen Deutsche sich nicht nur ein “neues System” bereits vorgestellt, sondern noch bis vor 30 Jahren darin gelebt. War nicht so der Bringer. Okay, war halt nicht so perfektioniert wie unter Stalin, Mao und Pol Pot, wo das Familienauto null CO2 emittierte, weil die Familie gerade im Gulag Unkraut jätete und ein eigenes Auto für sie so etwas Unwirkliches darstellte wie für uns der Drache “Drogon” aus “Game of Thrones”.

Am Ende wird es etwas kryptisch und mysteriös.

“Es ist zwar leichter, Leute zu verurteilen, die an den Strand wollen, als politische oder unternehmerische Entscheidungen zu kritisieren, aber es bringt weniger. Und sicherlich ist es schmerzhafter, eigene Wahlentscheidungen (wer wählt nach dieser Pandemie noch CDU?) oder Konsumverhalten zu überdenken, aber ein richtig ordentlicher Lufthansa-Boykott oder eine allgemeine Entwicklung hin zur Kapitalismuskritik wären gesünder und nachhaltiger als blinde Malle-Wut. Man muss es nicht `Radikalisierung´ nennen, man könnte auch sagen: lebenslanges Lernen.”

Nee, verstehe ich nicht: Man soll nicht so über Leute wegen ihrer Malle-Macke herziehen und ihnen ihren Urlaub mißgönnen, weil die ja nach all der Corona-Scheiße ihn sich verdient hätten, aber gleichzeitig die Lufthansa boykottieren und den Kapitalismus kritisieren? Was bedeutet das? Soll man eine kubanische Fluglinie nach Mallorca buchen, und wenn man schon unbedingt auf diese verdammte Insel muß, beim Sangría-Saufen aus dem Eimer nebenbei Karl Marx am Strand lesen? Und was genau soll dieses “lebenslange Lernen” sein, ohne der “Radikalisierung” zu verfallen? Kauf nur die Hälfte? Wohne im Plattenbau, aber abonniere “Schöner Wohnen”? Putz dir den Arsch mit Zeitungspapier ab, aber benutze Anal-Bleaching-Creme? Fahr in den Urlaub, aber bleib dabei zu Hause? Ziemlich verwirrend das Ganze.

Hier muß allerdings Margarete Stokowski auch in Schutz genommen werden. Sie gibt ja dieses unlogische, um nicht zu sagen völlig irrsinnige Gefasel nicht von sich, weil es einen Sinn ergeben soll. Es geht ihr dabei nur um die Kosmetika-Proben von Douglas. Meine Güte, irgendeine Scheiße muß ja im SPIEGEL-Online stehen, damit man bei jedem Klick mit Werbung oben und auf der rechten Seite zugeschissen werden kann. Soviel zu Kapitalismuskritik.

Obwohl, diese zielgerichtete Werbung ist gar nicht mal so verkehrt. Da ich außer für das Lesen von Stokowski-Texten im Internet ausschließlich auf Porno-Seiten unterwegs bin, wird mir auch beim neuesten Margarete-Elaborat jede Menge “Geile Muschis ganz in deiner Nähe” seitlich eingeblendet. Was meinst du dazu, Margarete, du tapfere Feministen und Kapitalismuskritikerin?

Zum Hören, gesprochen von Ronny

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