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Der grandiose Film „The Deer Hunter“ (Die durch die Hölle gehen) aus dem Jahre 1978 von Michael Cimino ist ein sogenannter Vietnam-Film. Und tatsächlich spielen sich die schockierendsten Szenen darin auch während des Vietnam-Krieges ab, die dennoch nur einen kleinen Teil der Geschichte ausmachen. Der Feind, also die Vietcong zwingen ihre Gefangenen „Russisches Roulette“ zu spielen, wobei von ihren Peinigern hohe Wetteinsätze buchstäblich auf ihre Köpfe gesetzt werden. Die Spieler wiederum können sich an einer Hand abzählen, wann auch der Letzte von ihnen seinen Kopf verlieren wird. Auf den zweiten, erst recht dritten Blick jedoch erzählt der Film nur vordergründig vom Krieg. Im Gegenteil, er ist der Heimatfilm par excellence, wenn auch mit ganz besonderen Einheimischen und mit zweierlei Heimat.

Die drei Freunde Michael (Vronsky), Nikanor „Nick“ (Chevotarevich) und Steven (Pushkov), drei russischstämmige junge Stahlarbeiter aus einem US-Provinzstädtchen in Pennsylvania sind stramme Patrioten. Deshalb ziehen sie 1968 freiwillig in den Vietnamkrieg. Doch knapp davor wird die Hochzeit von Steven und Angela ausgiebig gefeiert, mit einer russisch-orthodoxen Zeremonie versteht sich und später auf die ebensolche vodkagetränkte Art und Weise das Hochzeitsfest. Dieser Teil der Geschichte ist vielschichtig, und dessen faszinierenden und von den Machern eher wie im Vorbeigehen abgehandelten Subtext muß sich der Zuschauer nach mehrmaligem Anschauen des Films selber erarbeiten.

Die Stahlstadt inmitten von Wäldern wirkt kalt und abweisend und verkokst und verraucht. Assoziationen zum ehemaligen Ruhrgebiet in der ländlichen Variate tun sich auf. Die seinerzeit eingewanderten Russen brachten nichts weiter als ihre Jugend und bloße Arbeitskraft mit. Die alten Frauen tragen noch Kopftücher wie Bäuerinnen auf dem Felde in ihrer Heimat, sprechen russisch und werden von den amerikanisierten Jungs nach Herzenslust geneckt. Der Song „Can’t Take My Eyes Off You“ von Frankie Valli aus der Juxebox ist für diese längst assimilierten jungen Männer eine ihrem proletarischen Milieu passendere und ihren „American Way of Life“ viel deutlicher symbolisierende Nationalhymne, weswegen sie ihn auch in der ersten Höhepunkt-Szene des Films aus vollen Kehlen enthusiastisch im Chor mitgrölen.

Dennoch glimmt da etwas im Hintergrund. Immer wieder werden als Soundtrack russische Choräle eingespielt, wie ferne, geheime Erinnerungen an etwas Verlorenes, und der ebenfalls aus Stahl zu bestehen scheinende, sich bisweilen sehr derb gebende Zusammenhalt der Gruppe gleicht eher einer verschworenen Gemeinschaft von rustikalen Ivans, als dem von lockeren „Friends“.

Dann sind wir auch schon mitten im schmutzigen Krieg, aber auch hier steigt der Zombie der Herkunft wieder aus dem Sarg und streckt seine klappernden Skelettfinger anspielungsreich nach den Stahlwerker-Jungs, die jetzt Soldaten sind. Zum einen in Form des Russischen Roulette, nachdem sie in Gefangenschaft geraten sind und es über sich ergehen lassen müssen. Zum anderen durch die zwar unausgesprochene, aber jedem bewußte Tatsache, daß die ehemalige Sowjetunion auf der Seite des Feindes stand und ihn tatkräftig unterstütze. Nicht nur die berühmten Kalaschnikows und Mil-Mi-2-Kampfhubschrauber weisen bildlich daraufhin, der Zuschauer und mit ihm vielleicht auch unsere drei Freunde fragen sich wohl ebenso mehrmals, ob all der Horror und die erlittene Pein nicht eine allegorische Rache der alten Heimat an ihren Abtrünnigen ist. Und wie immer, wenn es um Heimat geht, steht erneut die reaktionäre, nichtsdestotrotz unvermeidliche Frage im Raum: Zu wem gehörst du? Der Krieg als nachträglicher Einbürgerungstest.

Michael und Steven kehren aus Vietnam als Verkrüppelte, Traumatisierte und Desillusionierte zurück. Nick hat den Verstand verloren und verdingt sich Saigon in einem von der Mafia betriebenen Casino als professioneller Russisch-Roulette-Spieler, was voraussehbar tödlich endet. Die Zurückgekehrten gehen zu Hause wegen den Folgen ihrer schrecklichen Kriegserlebnisse nochmals durch die Hölle. Das Einzige, was ihnen dabei Halt gibt, ist die Heimat, dieses Konglomerat aus Gefühlen, Erfahrungen, Wahrnehmungen, vertrauten Landschaften, Klimata, insbesondere jedoch Menschen und Freunden, mit denen man aufgewachsen ist. Am Schluß beerdigen sie Nick in der Heimaterde, und alle singen „God Bless America“.

Obgleich „The Deer Hunter“ ein bis an die Schmerzgrenze gehend brutaler und deprimierender Antikriegs-Film ist, so ist er doch auch gleichzeitig ein Märchen über Assimilation und über die heilende Kraft des Zugehörigkeitsgefühls, wenn man sich voll und ganz mit einer Gruppe, einer Nation und letztendlich mit einem Volk und dessen Lifestyle identifiziert. Woher man einst stammte und welche Hautfarbe, Religion und Bräuche man aus der alten Heimat noch besitzt, spielt dabei keine Rolle. Entscheidend ist nur das Hier und Jetzt, und dieses Hier und Jetzt kann sich natürlicherweise und auch aus anthropologisch verifizierbarer Sicht allein auf jenes Fleckchen Erde beziehen, in dem man im wahrsten Sinne des Wortes verwurzelt ist und sein möchte.

Womit ich beim Thema dieses Buches bin, nämlich die gegenwärtige aufgezwungene Entheimatung der Heimat durch das Fremde – bis zu ihrer kompletten Auflösung. Die Geisteslage bezüglich der Migration in dem oben genannten Kriegsmärchen galt für Deutschland schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Vielmehr wurde seit Anfang der 1980er die Vergottung des Ausländers im bunten Medienkleidchen des „edlen Wilden“ betrieben, der sich bitte, bitte gegen die Vereinnahmung durch seine neue Heimat wehren, seine meist archaischen Sitten und seine mitgebrachte Unkultur konservieren und an jeder Straßenkreuzung als Zeichen seines Eroberungstriumphs frech einen Allahu-akbar!-blök-Silo namens Moschee hinpflanzen soll. Doch nun mehr, da ein Dammbruch der Überflüssigen mit Islam-Chip im Kopf, Afro-Lethargie in den Gliedern und Zigeunertalent in den Fingern, jedenfalls lauter Menschen, die ein 1A-Industrieland so dringend braucht wie Vulkanausbrüche in der Eifel, stattgefunden hat und die Invasion in Kaskadentempo voranschreitet, in diesen Tagen also, in denen die Stellschauben der Heimat nicht nur neu justiert werden, sondern gleich zerschlagen, geben sich die ewigen Deutschlandhasser und Volksfeinde nicht einmal die Mühe, die Inbesitznahme durch ein Ausland auf Scheißhaufenniveau zu verleugnen.

„Der Umbau beginnt erst“ frohlockt ZEIT ONLINE am 7. 9. 2015 denn auch, als die Regierung bekannt gibt, Abermilliarden von hart erarbeiteten Steuergeldern für „Flüchtlinge“ bereitzustellen, und kann seine Freude zwischen den Zeilen kaum darüber verhehlen, dem Endsieg nur noch ein paar Schrittchen nahe zu sein. Was war so schlecht am alten Deutschland? …

Alle Rechte Akif Pirinçci vorbehalten © Bonn 2015

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